Google News geht in Spanien vom Netz

Aufgrund eines neuen Gesetzes, welches Google für das anzeigen von Artikel-Ausschnitten zur Kasse bitten soll, hat der Konzern bei seinem Dienst „News“ in Spanien nun den Stecker gezogen. 

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Das von deutschen Verlagen „durch lobbyierte“ Leistungsschutzrecht dürfte den meisten Lesern ja ein Begriff sein. Es stellte den Versuch dar, von Google und anderen Suchmaschinenbetreibern Geld für das anzeigen von Artikel-Snippets (Ausschnitte mit maximal 150 Zeichen) verlangen zu können. Verlage (insbesondere Springer) wollten also erreichen, dass Google sie für das kostenlose bewerben in Google News bezahlt. Noch absurder wirkt das Ganze, wenn man bedenkt, dass Google News ein freiwilliges Angebot ist, welches von den Verlagen erst einmal aktiv in Anspruch genommen werden muss. Springer und Co. haben sich also kostenlos bei Google News angemeldet, bekommen darüber vermutlich massenweise Besucher – und wollen, dass Google sie dafür bezahlt.

In Deutschland wurde das Leistungsschutzrecht aufgrund von Protesten seitens Google & der Bürger kurz vor seiner Verabschiedung noch deutlich abgeschwächt (es enthält die Ausnahme, dass „kleine Textausschnitte“ nicht gegen das Urheberrecht verstoßen). Außerdem stellte Google die Verlage kurz vor dem Wirksam werden vor die Wahl: Entweder, sie verzichten darauf, dass Leistungsschutzrecht gegen Google zu verwenden, oder sie fliegen aus dem Index. Infolgedessen knickten sämtliche Verlage ein.

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Doch in Spanien scheint die Verlagslobby (wenn das denn möglich ist) sogar noch mächtiger zu sein als hierzulande. Dort wurde nicht nur ein deutlich präziseres Leistungsschutzrecht verabschiedet: Nein, es werden darüber hinaus zukünftig sämtliche Verlage dazu gezwungen, von Google für das anzeigen in Google News Geld zu verlangen – auch die, die den kostenlosen Dienst von Google gerne weiter nutzen würden. Infolge dieses Irrwitzigen neuen Gesetzes sieht Google sich nun gezwungen, den kostenlosen und werbefreien Dienst Google News am 16. Dezember in Spanien komplett abzuschalten. Darüber hinaus werden spanische Verlage auch in anderen Ländern nicht mehr in Google News gelistet. Beschwerden über einen massiven Traffic-Einbruch dürften hier nicht lange auf sich warten lassen.

Google selbst erklärt in einem Blog-Post, dass man mit Google News keinerlei Gewinn macht und dieses neue Gesetz daher nicht akzeptabel sei. Natürlich muss man hier berücksichtigen, dass Google zwar kein Geld verdient, durch die zahlreichen Nutzer von Google News aber eine enorme Steigerung seines Marken-Wertes bewirken kann. Doch selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes ist das neue Gesetz ein trauriges Beispiel für die scheinbar extreme Korruption innerhalb der spanischen Regierung, insbesondere der Zwang für alle Verlage, die Google News eigentlich gerne kostenlos weiter nutzen würden. Zudem zeigt es sehr gut, was auf die deutschen Verlage zu gekommen wäre, wenn sie mit ihrem Leistungsschutzrecht allen Ernstes Erfolg gehabt hätten.